E-Biken im Emmentaler Hügu Himu
Im Emmental schweben E-Biker im siebten «Hügu Himu.» Auf über 450 km kurvt man hier genussvoll entlang entlegener Strassen durch die herzhaft gewundene Hügellandschaft und entdeckt viel Überraschendes entlang des Weges, wie die «Symphonie von Hügeln und Ausblicken»: Die Herzschlaufe Burgdorf.
Woran erkennt man glückliche Radfahrer? Ganz einfach: Am breiten Grinsen. Radfahren ist Meditation in Bewegung. Für eine gute Tour ist kein Umweg zu weit. Vor allem dann, wenn der Elektromotor Gnade für die Wade gewährt. So wie heute. Ich befinde mich auf der «Herzschlaufe Burgdorf», dem brandneuen Baby der «Herzroute» mit der Nummer 899, einer Strecke aus zwei Etappen, die sich über insgesamt 91 Kilometer zweimal um die Emmestadt windet und damit eine Art Acht mit Zentrum Burgdorf formt.
Irgendwo hinter mir liegt der Schlosshügel mit der mächtigen Zähringerburg; vor mir erstrecken sich die «Wynigenberge», eine grandios gelegene Hügelkaskade am Rand des Mittellandes, wo das Emmental auf den Oberaargau trifft. Ich radle durch Wiesen und Weiden, den Fahrtwind im Haar, den Duft des Frühlings in der Nase, vorbei an blumengeschmückten Bauernhöfen und kleinen verträumten Weilern und habe Zeit und Ziel längst vergessen. Es scheint widersprüchlich, ist aber wahr: E-Biken entschleunigt trotz Motorisierung. Ich bin langsam und bewusst unterwegs, kurve spielend bergauf und bergab und verliere mich in der Landschaft, die wie im Bilderband vorbeizieht. Und welche Schatzkiste sie ist!
Wäre Paul Hasler, der Vater der «Herzroute», jetzt hier, würde ich ihm auf die Schultern klopfen. Die neue Schlaufe wird nicht nur seinem Anspruch der attraktivsten (anstatt der direktesten) Route gerecht, sondern zelebriert die zu wenig bekannte, hügelige Schweiz in all ihrer Pracht. Ich staune ob der neuen Welten, die sich hinter jeder Kurve, hinter jeder Hangnase eröffnen; strahle, weil genau hier im «Hügu Himu» das Radfahren dem Flug der Vögel tatsächlich am nächsten kommt.
Anders als bei jeder anderen Tour freue ich mich über jedes Bergauf, weil die nächste Höhe grandiose neue Aussichten garantiert und ich mir diese nicht einmal hart verdienen muss. Im «Turbo»-Gang schiebt mich mein E-Bike hoch wie ein treusorgender Vater sein Kind auf einem Rad mit Stützen. Und oben sind die Geschenke reichlich. Der Logenplatz par excellence ist die Lueg. Hier halte ich an, lege eine Wurst auf den Grillrost und setze mich beim Soldatendenkmal auf die Mauer, während mein Mittagessen vor sich hin brutzelt. Zu meinen Füssen wellt sich das Land in einem munteren Auf und Ab den Berner Alpen entgegen die berühmten Höger, Eggen und Chräche des Emmentals ausgebreitet wie ein roter Teppich. Schöner könnte es gar nicht sein! Klar.. Biken ist nicht alles, aber wie schon John F. Kennedy sagte: «Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren.» Und das besonders im Emmental.
Routen Tipp: Herzschlaufe Burgdorf Ost
Route: Burgdorf Niederösch Wynigen Ferrenberg Lueg Oberburg Burgdorf, 48 km, 816 Höhenmeter, voll beschildert ab Mai 2021
Weitere Fundstücke am Weg: Der «Glungge-Buur», der Hof aus den Gotthelf-Filmen, die alte Taverne «zum Wilden Mann» oder die «Luegwellness» mit «Ämmitaler Heuräfsauna» im Landgasthof Lueg.
Übernachtung: Eine Nacht im Museum! Die Schlossherberge Burgdorf ist direkt im Museum integriert. Jedes Zimmer widmet sich einem Thema der Geschichte des Schlosses und macht dieses erlebbar. So erfährt man unter anderem, wie früher gewaschen wurde, was beim Stadtbrand in Burgdorf passierte oder wie der Herbst ins Tal kam. youthhostel.ch
E-Bike im Emmental: 6 Traumrouten
LÜDERE RUNDI: Auf dieser Berg- und Talrunde erklimmt man die berühmte Lüderenalp und wird mit grandiosen Weitblicken belohnt. Als weiterer Bonus wartet das geschichtsträchtige Schloss Trachselwald.37 km | 666 Höhenmeter
DR GROSS SUMISWAUDER: Diese Rundtour verlangt Ausdauer und geht ganz schön in die Beine. Dafür gibt es umso mehr zu sehen und zwar nicht nur im Emmental, sondern auch im Oberaargau. 68 km | 1088 Höhenmeter
HERZSCHLAUFE BURGDORF WEST: Mit Blick auf den Jura und das Mittelland schwebt man Richtung Bern, um beim Schloss Utzigen und der darauf folgenden «Mänziwilegg» den idealenZwischenstopp zu finden. 43 km | 646 Höhenmeter
HERZSCHLAUFE BURGDORF OST: Der Geheimtipp! Das jüngste Mitglied der Herzrouten-Familie führt auf Nebenwegen zu verborgenen Ecken des Emmentals. 48 km | 816 Höhenmeter
AEMME & HÜGU RUNDI: Ein «best of» Emmental: Lauschige Kretenfahrten und eine genüssliche Tallandschaft mit rauschendem Fluss. 65 km | 969 Höhenmeter
KAMBLY ERLEBNIS TOUR: Die aussichtsreiche Rundtour führt zu den Rohstofflieferanten der berühmten Bretzeli und zur Kambly Erlebniswelt. 29 km | 739 Höhenmeter
Einen interaktive Karte und Informationen zu den Routen gibt es auf der Webseite huegu-himu.ch
Praktisches: 3 Orte zum Stehenbleiben
KAMBLY ERLEBNIS
Die süsse Versuchung: Seit vier Generationen steht «Kambly» für vollendete Schweizer Feingebäck-Tradition. Im «Kambly Erlebnis» in Trubschachen taucht man in die traditionsreiche Geschichte des Unternehmens ein, blickt den Maîtres Confiseurs in der Schauconfiserie über die Schultern und gönnt sich eine Erfrischung im Café oder lässt sich vom vielfältigen Angebot im Fabrikladen inspirieren. Ein Pflichtstopp nicht nur für Naschkatzen auf der «Kambly Erlebnis Tour» und der «Lüdere Rundi». kambly.com/erlebnis
SCHLOSS BURGDORF
Auf den Spuren der Zähringer Auf einem mächtigen Felsen hoch über der Emme thront das mittelalterliche Schloss Burgdorf und wacht über Stadt und Region. Um 1200 erbaut, gilt es als die am besten erhaltene Zähringeranlage der Schweiz. Letzten Frühling begann das Baudenkmal von nationaler Bedeutung ein neues Kapitel als Erlebnisort, der Jugendherberge, Restaurant und Museum vereint. Es ist das ideale Basislager für Erkundungen des «Hügu Himu». schloss-burgdorf.ch
EMMENTALER SCHAUKÄSEREI
Der löchrige Käse hat den Namen seiner Region in die Welt getragen. In der Emmentaler Schaukäserei in Affoltern i.E., einer attraktiven Begegnungsstätte und Erlebniswelt mit Dorfcharakter, wird Besuchern viel geboten auf dem geheimnisvollen Königsweg wandelt man so zum Beispiel durch Kuhmägen und Gewölbekeller; bei einem Workshop im historischen Stöckli wird man selbst zum Käser oder lässt sich auf der Gartenterrasse kulinarisch und mit schönen Ausblicken verwöhnen. Zukünftig lässt es sich bei der Schaukäserei sogar in Wohnfässern übernachten. e-sk.ch